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... Untersuchung

 

 

Arnau / Арнау St. Katharinenkirche zu Arnau /

 Kuratorium Arnau

Restauratorische Untersuchung in Arnau
Kurzfassung eines Vortrages anläßlich des Treffens der HKG Königsberg-Land am 29.9.2007 in Minden

Die ehemalige Ordenskirche St. Katharina stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde um 1360-1375 im Langhaus mit einem Wandmalereienzyklus ausgestattet, der die Heilsgeschichte vom Sündenfall über das Leben Christi bis hin zum Jüngsten Gericht zeigt. Der im Mittelalter in Buchform weit verbreitete Heilsspiegel stellt im Bereich der europäischen Wandmalerei eine Besonderheit dar - nachdem die Heilsspiegelmalereien im Königsberger Dom im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, sind kaum Vergleichsbeispiele in der Wandmalerei überliefert. Die Wandmalereien in der Kirche von Arnau, die zur Reformationszeit übertüncht wurden, wurden 1908-1912 wieder freigelegt und anschließend konserviert und restauriert. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche St. Katharina nahezu unbeschädigt.

Im Zuge der Nutzungsänderung als Getreidespeicher ab dem Jahre 1951 erfolgten einschneidende Umbauarbeiten, die zu starken Verlusten im Malereibestand führten, wie die heute noch vorhandene eingezogene Zwischendecke zeigt. Gleichzeitig wurde die Kirche jedoch durch die Nutzung vor dem vollständigen Verfall bzw. Abriss bewahrt. Seit 1994 wird die Kirche von der Baufirma „Monostroy" als Materiallager genutzt. Das „Kuratorium Arnau e.V." engagiert sich seit 1992 für die Erhaltung der ehemaligen Ordenskirche. Die Voraussetzung für die Erhaltung der wertvollen Wandmalereien wurde durch die Erneuerung des Dachstuhls und die Rekonstruktion des Westturms geschaffen, da die Bausubstanz nun vor Witterungseinflüssen geschützt ist. Im November 2006 erfolgte erstmals eine restauratorische Untersuchung durch deutsche Restauratoren, die als wissenschaftliche Mitarbeiter der HAWK (1) zur Dokumentation des Erhaltungszustandes des mittelalterlichen Wandmalereibestandes vom „Kuratorium Arnau e. V." beauftragt wurden. Durch die Untersuchung des Malereibestandes konnte festgestellt werden, dass es sich bei dem Heilsspiegelzyklus nicht um eine Freskomalerei, sondern um eine Kalkmalerei handelt, die auf einem abgebundenen Untergrund ausgeführt wurde.

 
Die Wandmalereien in Arnau wurden nach der Vorlage von Illustrationen aus den Buchmalereien gemalt, die den Heilsspiegel darstellen. Die Gegenüberstellung der Darmstädter Handschrift des Heilsspiegels mit den Wandmalereien in Arnau zeigen verblüffende Ähnlichkeiten.
Buchmalerei, Darmstädter Handschrift um 1360 Arnau, Wandmalereien von 1360-1375, (Aufnahme von 2006)
Buchmalerei,
Darmstädter Handschrift um 1360
 

Arnau, Wandmalereien von 1360-1375,
(Aufnahme von 2006)
 

Zur Beurteilung des Erhaltungszustandes der Wandflächen wurden Material- und Schadenskartierungen an ausgewählten Bereichen erstellt, die den Umfang und die Verteilung der Schadensphänomene dokumentieren. Die Wandflächen zeigen eine hohe Salzbelastung und Durchfeuchtung der Bausubstanz. Als Ursache der Durchfeuchtung ist die anhaltende, jahrzehntelange Infiltration von Wasser aufgrund des schadhaften Daches anzusehen. Das eingetragene Wasser hat sich in den kelchartigen Gewölbezwickeln angesammelt und über einen langen Zeitraum das Baumaterial permanent durchfeuchtet. Daher sind im Bereich der trichterförmigen Gewölbeansätze verstärkt Schäden zu verzeichnen. Neben der genannten lang anhaltenden Durchfeuchtung des Materials spielen im Materialsystem vorhandene Salze eine große Rolle. Neben den auf der Malereioberfläche sichtbaren Salzausblühungen verursacht die Salzkristallisation im porösen Putzsystem eine Auflockerung im Materialverband. Die Salzkristallisation bewirkt, dass die Malschicht teilweise vom Untergrund schollenartig abgedrückt wird, sodass Malerei- und Putzverluste entstehen. Als weitere Schadensphänomene konnten Hohlstellen-, Krusten- und Schalenbildungen sowie ein mikrobieller Befall festgestellt werden.

Zur Klärung, welche Malereiszenen des Heilsspiegelzyklus bereits zerstört sind, wurde der Heilsspiegelzyklus durch das überlieferte historische Fotomaterial graphisch rekonstruiert, indem die Detailaufnahmen von 1910/12 und 1943/45 zusammengefügt wurden. Ungeklärt bleibt, in welchem Erhaltungszustand die Wandmalereien sind, die noch unter dem Kalktüncheanstrich bzw. teilweise unter dem Zementputz von 1951 verborgen liegen.

Die durchgeführten bauphysikalischen Messungen zeigen, dass das vorhandene Raumklima der Kirche stark vom Außenklima bestimmt wird. Die relative Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch und liegt zwischen 80-90 %. Mit thermographischen Untersuchungen konnten niedrige Oberflächentemperaturen im Bereich der Gewölbezwickel festgestellt werden, die auf eine hohe Durchfeuchtung der Wandflächen hinweisen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und die niedrigen Oberflächentemperaturen der Wände finden Kondensationsprozesse auf den Wandflächen insbesondere an der Nordwand statt, was anhand zahlreicher Kondensläufer nachweisbar ist. Der visuell wahrnehmbare Algenbewuchs im Bereich der Gewölbezwickel ist ein weiteres Indiz für eine erhöhte Feuchtigkeitsbelastung. Bei den Untersuchungen zum mikrobiellen Befall konnten zudem unterschiedliche Schimmelpilze und Bakterien am Objekt nachgewiesen werden, welche überwiegend die Kalktünchen der späteren Reparaturphasen besiedeln. Durch die restauratorische Untersuchung konnte festgestellt werden, dass ein dringender Handlungsbedarf zur Konservierung der wertvollen Wandmalereien besteht.

Jutta Kalff, Dipl.- Rest.
Silke Heinemann M.A., Dipl.- Rest.

______________
Anmerkungen

  1. HAWK - Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst, Hildesheim, Fachbereich Konservierung/ Restaurierung.

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Quelle / Источник:
Unser schönes Samland, Samländischer Heimatbrief
der Kreise Fischhausen und Landkreis Königsberg / Pr.
176. Folge, IV/2007, Seite 50-
51

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