Home Nach oben Inhalt - Suche Copyright Impressum Datenschutz

 

ROK-Griff nach Arnau

 

Fotoalben
 

Arnau / Арнау St. Katharinenkirche zu Arnau /

 Kuratorium Arnau

Der russisch-orthodoxe Griff nach der Kirche Arnau

Die St. Katharinenkirche in Arnau/Marjino unmittelbar vor den Toren Königsbergs ist die zweitälteste Kirche des historischen Ordensgebietes. Sie zeichnet sich durch ihre besondere Architektur sowie durch ihren für Europa einmaligen Heilsspiegel (Seculum humanae salvationis) aus. Die Kirche hat den Krieg unbeschadet überstanden und wurde nach 1945 von der örtlichen Kolchose als Getreidespeicher genutzt.

Die Katharinenkirche in Arnau im Sept. 1998

Nach Insolvenz der Kolchose wurde die Kirche ein Opfer des Vandalismus und lief 1992 Gefahr, als Halbruine abgerissen zu werden, weil die Kolchose die Steine verkaufen wollte. Das „Kuratorium Arnau e.V.“ verhinderte die Zerstörung und konnte nach langen Kämpfen durchsetzen, dass die Kirche unter Denkmalschutz gestellt wurde. Bis etwa 1996 war auf russischer Seite weder Verständnis noch überhaupt Interesse an der kulturhistorischen Bedeutung der Kirche vorhanden.

Mit öffentlicher Unterstützung und Hilfe der Zeit-Stiftung sowie mit privaten Spenden begann das Kuratorium 1993 unter großen Mühen mit den Aufräumungs- und Sicherungsarbeiten. Es stellte u.a. den Turm wieder her (mit Glockenstuhl und Glocke), besserte die Außenwände aus, errichtete einen neuen Dachstuhl einschliesslich der Eindeckung und setzte Notfenster ein. Dies alles erfolgte nach streng denkmalgerechten Prinzipien. Vor allem wurde durch Expertinnen der Hildesheimer Hochschule für angewandte Kunst im Auftrage des Kuratoriums ein umfassendes Konzept für die Sicherung der Wandgemälde (Seccos) erarbeitet, und es erfolgten die ersten Sicherungsmaßnahmen.

Jugendgruppe aus dem Kreis Nienburg (Weser): Bei der Arbeit auf dem verwilderten Kirchenfriedhof. - Im Hintergrund die Kirche Arnau.

Am 18.07.2008 konnte das Kuratorium mit der Gebietsverwaltung und dem Königsberger „Museum für Geschichte und Kunst“ einen auf 10 Jahre angelegten Kooperationsvertrag abschließen, der die deutsche Seite als gleichberechtigten Partner definiert. Die Kirche erhielt den Status eines Museums und erfreute sich einer steigenden Zahl von Besuchern. Es entwickelte sich in der Folgezeit eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen dem Kuratorium und dem Museum, die allerdings durch den Leiter des Königsberger Denkmalschutzes, Wladimir Jarosch, wiederholt gestört wurde. Unter eklatanter Verletzung dieses Vertrages und ohne das Kuratorium überhaupt zu informieren, schloß die Gebietsverwaltung im Juni 2010 einen Nutzungsvertrag mit der Russisch Orthodoxen Kirche (ROK). Damit ging der Museumsstatus verloren. Das Kuratorium protestierte dagegen und legte Widerspruch ein, jedoch verhalten sich die Behörden so, als ob der Kooperationsvertrag mit dem Kuratorium gar nicht existiert.

Die neue Infotafel am Bauzaun wurde inzwischen von der ROK entfernt. - Zur Vergrößerung bitte anklicken!

Am 07.10.2010 fand eine Sitzung der Gebietsduma in Sachen Arnau statt, auf der der Interessensvertreter des Kuratoriums die Position und bisherigen Leistungen des Kuratoriums darlegen konnte. Die Duma hob daraufhin den Nutzungsvertrag mit der ROK auf, so dass nunmehr der Status quo ante vorerst bestand. Die Beschlussfassung sah weiterhin vor, dass eine weitere Abstimmung der Gebietsduma am 28.10.2010 über das endgültige Schicksal der Arnauer Kirche entscheiden sollte.

Vorher war das Oberhaupt der ROK, Patriarch Kyrill, aus Moskau angereist und hatte den erst vor kurzem in sein Amt eingeführten Gouverneur Nikolai Tsukanov öffentlichkeitswirksam gesegnet und anschliessend in Arnau demonstrativ einen Gottesdienst abgehalten.

Besuch des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill (Mitte) am 3. Okt. 2010 in der Kirche zu Arnau

Am 11.10.2010 nahm eine Abordnung der Duma eine Ortsbesichtigung in Arnau vor, auf der auch zwei Interessensvertreter des Kuratoriums vortragen konnten. Diese berichteten, daß nach ihrem Eindruck die Mehrheit der Abgeordneten wohl dazu neige, am 28.10. einer Übertragung der Kirche an die ROK zuzustimmen. Der Leiter des Königsberger Denkmalschutzamtes, Wladimir Jarosch, nahm bei dem Ortstermin Stellung gegen das Kuratorium und stellte wahrheitswidrig die bisherigen Leistungen des Kuratoriums in Abrede.

Inzwischen hat die ROK den seinerzeit von der Kolchose für die Getreidelagerung auf halber Höhe eingebauten Schüttboden ohne Rücksicht auf die Wandmalereien ausgebaut. Gerade in diesem Punkt hatten die Expertinnen der Hochschule Hildesheim stets zu äußerster Vorsicht gemahnt und betont, dass durch die unsachgemäße und überstürzte Entfernung des Schüttbodens weitere Schäden an den Wandmalereien hervorgerufen würden. Das Kuratorium hatte in diesem Sinne gegenüber der russischen Seite immer deutlich gemacht, dass der Schüttboden erst nach Sicherung der Wandgemälde entfernt werden dürfe. Diese Sicherung sollte durch ein Spezialverfahren erfolgen, mit dessen Durchführung die Expertinnen der Hochschule Hildesheim bereits begonnen hatten. Offensichtlich ist die ROK in erster Linie nur an dem Baukörper der Kirche interessiert, um ihn für Gottesdienste zu nutzen.

In der Zeit zwischen den Abstimmungen setzte eine lebhafte Aktivität der Medien in Sachen Arnau ein. Obgleich sich eine zunehmende Einflussnahme der ROK auf die öffentliche Meinungsbildung abzeichnete, traten erstaunlich viele Kommentare in den Zeitungen und den TV-Sendern für die Wiederherstellung des Museumsstatus ein. Mit Näherrücken der Abstimmung am 28.10. verstärkte sich allerdings der Druck der ROK, erkenntlich an der Weigerung mehrerer Medien, Stellungnahmen für das Kuratorium zu publizieren. Unmittelbar vor der Sitzung der Gebietsduma am 28.10.2010 gab der Gouverneur Nikolai Tsukanov eine Erklärung ab. Darin verdeutlichte er den Abgeordneten, dass sie für eine Übertragung der Kirche Arnau an die ROK stimmen müssten, da die stark wachsende Anzahl der Gläubigen in dem Gebiet dies erfordere. Von 36 anwesenden Abgeordneten stimmten daraufhin nur 4 gegen die Übertragung an die ROK bei einer Enthaltung.


  • Abstimmung zur Kirche Arnau in der Gebietsduma am 28.10.2010:
    anwesend waren 36 von 43 Abgeordneten

    • mit Nein (gegen die Übertragung) stimmten:
      • Igor Rudnikow (Gründer der Zeitung "Kaliningradskije Nowye Koljosa"),
      • Witautas Lopata (Russische Volksdemokratische Union),
      • Michail Tschesalin (Patrioten Russlands),
      • Igor Rewin (Kommunistische Partei)
    • Enthaltungen:
      • Salomon Ginsburg

Das Vorgehen der ROK gegenüber Arnau fügt sich ein in die besitzergreifende Politik des Moskauer Patriarchats auch in dem Königsberger Gebiet. Bisher sind mindestens 12 ostpreußische Kirchen in die Hände der ROK gefallen. Dabei wird deutlich, daß die ROK insbesondere an gut erhaltenen Objekten Interesse hat, selbst aber keine Neigung erkennen läßt, das, was in Ruinen fällt, zu retten geschweige denn aufzubauen. Unverkennbar geht es der ROK auch um Kapitalgewinn und Machtzuwachs. Da der Staat an einer Rückenstärkung durch die ROK angesichts bestehender Probleme interessiert ist, setzen die Behörden der kirchlichen Besitzergreifung kaum etwas entgegen. So gehen die Ansprüche der ROK noch weiter und erstrecken sich auch noch auf die Ordensburgen.

Die St. Katharinenkirche ist ein einzigartiges Zeugnis der Ordenskultur und ein Zeitdokument von einmaliger Bedeutung. In einem Gebiet, das in einem erschreckenden Ausmaß Opfer der Kriegshandlungen geworden ist, zählt die Kirche zu den ganz wenigen erhalten gebliebenen Kulturdenkmälern und gewinnt damit eine geradezu symbolische Bedeutung. Eine Übernahme durch die ROK würde ihren Charakter grundsätzlich verändern, die Wandmalereien infolge der gänzlich anderen ikionographischen Tradition der ROK gefährden und vor allem die Aussagekraft als kunsthistorische Quelle versiegen lassen. Der ROK fehlen Fachkräfte, Kenntnisse und Mittel, um die Arnauer Kirche in der gebotenen Weise zu restaurieren. Hingegen verfügt das „Kuratorium Arnau e.V.“ über die alten Pläne, die Experten und auch die finanzielle Mittel, um die Restaurierungsarbeiten fortzusetzen. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Kirche wieder über den Status als Museum verfügt.

Eine gute deutsch-russische Zusammenarbeit am Projekt der St. Katharinenkirche wäre auch ein wegweisendes Signal für eine Verständigung gewesen, die in die Zukunft führt. Dieses positive Signal ist durch die jetzige Entscheidung beschädigt worden. Das ist auch deshalb bedauerlich, weil das Projekt nicht nur deutsche und russische Experten und Wissenschaftler zusammengeführt hat, sondern auch polnische und schwedische. Das „Kuratorium Arnau e.V.“ hält jedoch an seinem Kurse fest und hat bereits vor der zweiten Abstimmung zahlreiche Gremien, darunter auch die UNESCO, eingeschaltet.

В начало / zurück zum Seitenanfang

Quellen / Источник:
Fotos: Archivmaterial;
Text:
Walter T. Rix, Kuratorium Arnau e.V., 2010,
veröffentlicht in "Unser schönes Samland", 188. Folge, 4/2010

Слушать файл mp3: Звон колокола кирхи Арнау 23.9.2003 / MP3-Audio-Datei starten: Glockengeläut der Kirche Arnau am 23.9.2003

_____________________________________
weitere Informationen:
17.11.2010: Rußland – Ostpreußen:
Rückgabe enteigneten Kirchenguts – Orthodoxer Ärger über katholische Kritik
http://www.katholisches.info/?p=10085;
17.11.2010: Russischer Geistlicher will Immobilienstreit im ehemaligen Königsberg verhindern
http://de.rian.ru/culture_and_sport/20101117/257672541.html;
16.11.2010: Schwerer Ökumene-Konflikt um historische Kirche in russicher Enklave
Katholischer Erzbischof Pezzi kritisiert Kirchenübergabe in Kaliningrad an Orthodoxe -
Patriarch Kyrill I. bedankt sich hingegen bei Abgeordneten
http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/35847.html;

13.11.2010: Rußland: Was geschieht in Ostpreußen und Königsberg?
Russland gibt nach 1917 enteignetes Kirchengut zurück, allerdings nur den Orthodoxen
www.ead.de/arbeitskreise/religionsfreiheit/nachrichten/einzelansicht/article/russland-was...;
05.11.2010:
Radio Vatikan: Russland: Katholiken gegen Übertragung von Kirchen
http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=436559;
25.05.2009: Kaliningrad: Orthodoxe Kirche will den Königsberger Dom www.kaliningrad.aktuell.ru/kaliningrad/stadtnews/kaliningrad_orthodoxe_kirche_will_den_koe...;


weiter zu: Ostpreußen TV

Medienarbeit über Grenzen hinweg
 
Beiträge von Ostpreußen-TV
jetzt auch als DVD-Video erhältlich

weiter zu: Preussen-Mediathek

Seit dem 15.10.2007 sind Sie der 

. Besucher

Die Webseiten sind optimiert für 1024x768 / 1280x1024, 24 Bit Farbtiefe sowie MS-Internet Explorer 11.x oder höher.
Netscape ab 4.x oder andere Browser mit Einschränkungen verwendbar. -  Optimale Darstellung im Vollbildmodus.
Soundkarte für Tonwiedergabe erforderlich.

www.Kuratorium-Arnau.net/Presse
 


 

Home Nach oben Aktuelles Expressionismus Gier der Popen sanierte Kirchen in staatliches Eigentum Gotteshaus + Museum Scharfe Kritik Deutsches Erbe ROK-Griff nach Arnau Griff nach Kirchen Kirche nicht an ROK Streit um St. Katharina Fortschritte 2009 Wanderausstellung Gebietsmuseum Spuren der Ritter Ort der Ausstrahlung vor Verfall gerettet Kulturdenkaml Zum Leben erwecken ... Kirche erhalten mittelalterliche Kunst ... Untersuchung Der alte Glanz Ein neues Dach Eine Glocke für Arnau Abenteuer Glockenklang Ein Gemälde

Copyright © 2007-2018  Kuratorium Arnau

Stand: 15. September 2018


Deutsch / German / allemand / Немецкий Russisch / Русский English / Englisch   www.Kuratorium-Arnau.de www.Kirche-Arnau.de