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Das letzte Kapitel

 

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Arnau / Арнау St. Katharinenkirche zu Arnau /

 Kuratorium Arnau

Vorbesprechung mit Vertretern der Königsberger Eparchie, im Hintergrund das soeben fertiggestellte Verwaltungshaus.
Vorbesprechung mit Vertretern der Königsberger Eparchie,
im Hintergrund das soeben fertiggestellte Verwaltungshaus.

Die St. Katharinenkirche in Arnau - das letzte Kapitel

Das Ringen um die Rettung der berühmten Wandgemälde in der Arnauer St. Katharinenkirche hat jetzt sein Ende gefunden. Es ist ein Ende, das mit tiefer Trauer und melancholischer Wehmut erfüllt. Während nach der eindrucksvollen Wiederherstellung des äußeren Baukörpers das Erscheinungsbild Freude beim Betrachter auslöst, sind die Wandgemälde im Inneren des Kirchenschiffs bis auf drei Reste unwiederbringlich verloren. Nach den sich Jahre hinziehenden Rettungsbemühungen des „Kuratoriums Arnau e.V.", nach Überwindung zahlreicher Rückschläge und nach den Ergebnissen vorausgegangenen Restaurierungsarbeiten hätte man ein derartiges Ende eigentlich nicht erwartet.

Blick auf die Arnauer Kirche von Osten her. Foto: priv.

Blick auf die Arnauer Kirche von Osten her. Foto: priv.

Eigentlich hätte die Kirche, die zu den ältesten des historischen Ordensgebietes zählt und die von einmaliger kunsthistorischer Bedeutung ist, ein gutes Beispiel für eine deutsch-russische Zusammenarbeit sein können: 1992 gründete sich in Deutschland das „Kuratorium Arnau e.V." mit dem Ziel, die vor dem Verfall stehende Kirche zu retten.

Deie Nachbildung des Originals der Wetterfahne von 1320 schmückt den Turm.Zwar hatte die Kirche die Kriegsereignisse unbeschadet überstanden. aber nach 1945 war sie ausgeraubt und allmählich zu einer Ruine herabgewürdigt worden. Dass sie überhaupt überlebte, verdankte sie der örtlichen Kolchose „Rodniki", die sie eine zeitlang als Getreidespeicher nutzte. Bei dem 1994 vom Ministerrat Russlands in Moskau eingerichteten Institut zur Restaurierung von Geschichts- und Kulturdenkmälern _Spezprojekt Restawrazija" (NPZ) konnte das Kuratorium 1994 durchsetzen, dass die Kirche unter Denkmalschutz gestellt wurde. Dadurch wurde verhindert, dass die in Konkurs gegangene Kolchose den Abbruch der Halbruine weiter fortsetzte, um die Steine zu verkaufen. Am 17.02.1994 wurde das Verhältnis zwischen dem Kuratorium und der Russischen Förderation durch einen Vertrag geregelt, der dem Kuratorium das alleinige Recht zur Restaurierung der Kirche einräumte.

Mit Gesetz vom 30.11.2007 ging die Kirche aus föderalem Besitz in den Besitz der Region über. In einem weiteren Vertrag vom 03.04.2008 übertrug die Gebietsverwaltung die Kirche dem Kaliningrader "Museum für Geschichte und Kunst" unter dessen Direktor Dr. S.A. Jakimov zur Verwaltung. Zwischen dem Museum und dem Kuratorium wurde nachfolgend am 18.07.2008 ein auf zehn Jahre befristeter rechtsverbindlicher Kooperationsvertrag geschlossen, der beide Seiten als gleichberechtigte Partner definierte und noch einmal ausdrücklich den Museumsstatus der Kirche festschrieb.

Kirchenschiff mit Sterngewölbe, Blick von Westen nach Osten. Foto: priv.Eine konstruktive Zusammenarbeit entwickelte sich. Das Kuratorium erstellte eine umfassende Dokumentation des baulichen Zustandes und entwickelte ein Restaurierungskonzept. Es rekonstruierte den Turm, installierte einen Glockenstuhl mit Glocke aus Süddeutschland, setzte einen denkmalgerechten Dachstuhl mit Eindeckung auf das Kirchenschiff und besserte die Außenwände aus. Damit war der äußere Baukörper weitgehend wiederhergestellt. Dafür wurden insgesamt mehr als 300.000 Euro von deutscher Seite aufgewendet.

Die ersten Irritationen traten auf, als nach vorausgegangenen längeren Debatten die Moskauer Duma am 19. November 2010 in 3. Lesung ein Gesetz über die Restitution kirchlichen Eigentums beschloss. Das Gesetz berücksichtigte nicht Teile Kareliens und des früheren Ostpreußens. Die Abstimmung in der Kaliningrader Duma vom 7. Oktober 2010 lehnte daher eine Übertragung der Kirche an die Russisch Orthodoxe Kirche (ROK) zunächst ab.

Erst eine zweite Abstimmung am 28. Oktober 2010 billigte mit nur 4 Gegenstimmen und einer Enthaltung die Übertragung, eine Entscheidung, die auch in der Bevölkerung heftige Diskussionen auslöste.

Dipl. Rest. Jutta Kalff untersucht ein Exemplar der übrig gebliebenen drei Wandmalereien.Das Kuratorium befand sich jetzt in einer schwierigen Lage: Es konnte u.a. nicht einfach akzeptieren, dass ein rechtskräftig mit dem Kaliningrader Museum auf 10 Jahre geschlossener Vertrag plötzlich keine Gültigkeit mehr haben sollte. Angesichts der Rechtsunsicherheit konnte das Kuratorium nicht einfach weitere finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Auch begann die ROK 2012 mit Maßnahmen — entgegen den Empfehlungen aller Experten und ohne das Kuratorium zu benachrichtigen — den für die Getreidelagerung vorgesehenen Zwischenboden zu entfernen. Durch diese Arbeiten wurden die Wandgemälde (der kostbare „Heilsspiegel/Spectilum Humanae Salvationis") erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Die Schäden wurden vom Kuratorium minutiös dokumentiert.

Gerade die Entfernung des sich auf halber Höhe des Kirchenschiffes befindlichen Schüttbodens hatte das Kuratorium zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen, weil man von ihm aus die Sicherung bzw. Fixierung der Fresken gut vornehmen konnte. Offensichtlich hatte die ROK auch kein Interesse daran, mit dem Kuratorium weiter zu kooperieren, denn sie beauftragte die polnische Firma „Pracownia Konserwacij Zabytköw" (Stiuk) mit den weiteren Restaurierungsarbeiten.

Erst als sich herausstellte, dass die polnische Firma die vorhandenen Probleme nicht lösen konnte, näherten sich ROK und Kuratorium wieder einander an. Eine Rettung, geschweige denn Restaurierung der Fresken war trotz der dringlichen Anmahnung des Kuratoriums bis zu diesem Zeitpunkt nicht erfolgt.

5. Die Kirche von Südosten.

Am 15. Juni 2012 legte die ROK einen Kooperationsvertrag vor, der die grundsätzliche Zustimmung des Kuratoriums fand. Da das Kuratorium jedoch unter den veränderten Bedingungen erst die rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen klären musste, trat eine vorübergehende Pause ein.

Die ROK hatte dagegen einen extrem engen Terminplan aufgestellt, der den Abschluss aller Restaurierungsarbeiten zum 1. August 2014 vorsah. ohne dass dies dem Kuratorium mitgeteilt wurde. In der Folgezeit versuchte die ROK, das Kuratorium in diesen Zeitplan zu zwängen. Wie bereits die vorzeitige Entfernung des Schüttbodens zeigte, war für die ROK die Schaffung eines funktionsfähigen Gebetsraumes primär. Alles andere wurde seitens der ROK diesem Anliegen untergeordnet.

Die Umgebung der Kirche wurde weiträumig bearbeitet, teilweise auch planiert. Das Kreuz soll dem alten Friedhof seine Symbolik zurückgeben. Im Hintergrund links von der Kirche das soeben fertiggestellte Verwaltungshaus (März 2014). Foto: priv.Das Kuratorium hatte hingegen das Ziel. die noch vorhandenen Fresken, die etwa 40 Prozent der ursprünglichen Fresken ausmachten, in sachgerechter Weise zu retten. Ein gemeinsamer Nenner konnte in dieser Frage nicht gefunden werden.

Da die Vorstellungen des Kuratoriums nicht in den Zeitplan der ROK passten. nahm diese die Bearbeitung der Wandgemälde ohne weitere Kontaktaufnahme mit dem Kuratorium selbst in Angriff. Das Kuratorium wurde von jeder Information ausgeschlossen und durfte die Kirche in der Zeit vom 1. März bis zum 1. Juli 2014 nicht betreten. Im Sinne der Kooperation hatte das Kuratorium der ROK den detaillierten Untersuchungsbefund und das Restaurieningskonzept für die Fresken mehrfach zur Verfügung gestellt. Auch war der ROK in russischer Sprache eine Anleitung gegeben worden. nach welchem neueren technischen Verfahren die Fresken fixiert werden. Die gesamte Information findet sich auch im Internet. teilweise in russischer Sprache. Die ROK war daher bestens informiert. wie speziell in Bezug auf die Fresken zu verfahren war. Alle erforderlichen Maßnahmen wurden jedoch infolge der Zeitknappheit von der ROK ignoriert.

Am 17./18. Juli 2014 wurde dann den Expertinnen für mittelalterliche Wandmalerei von der Hildesheimer „Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst", Prof. Dr. Nicole Riedl und Dipl. Rest. Jutta Kalff, gestattet. die abgeschlossene Innengestaltung der Kirche zu prüfen. Das Ergebnis: Alle grundlegenden Prinzipien für die Restaurierung wurden nicht beachtet. Es wurden die falschen Materialien (vor allem Acrylputz) und Farben verwendet. Bereits durch die Arbeiten der polnischen Firma waren Teile der Wandgemälde abgeplatzt.

Außerdem hatte man im Winter 2013/2014 den Fehler gemacht. das Kirchenschiff intensiv zu beheizen. so dass durch den Austrockungsprozess weitere Bereiche abplatzen. Jetzt zeigte sich, welch ein verhängnisvoller Fehler es war, aufgrund des Zeitdrucks die Fresken nicht mit speziellen Injektionen fixiert zu haben. Bei dem Verputzen der Innenwände lösten sich Teile der Wandgemälde, so dass diese Stellen einfach überputzt wurden. Die Untersuchungen der Experten hatten ergehen. dass etwa 40 Prozent der ursprünglichen Fresken noch zu retten waren. Nach Abschluss der Innenarbeiten sind von diesen 40% der Fresken nur noch drei kleine Bereiche übrig geblieben. Aber auch diese wurden mit den falschen Materialien bearbeitet, so dass auch sie gefährdet sind. Außerdem ist man gegenwärtig dabei, ein in dieser Form nicht geeignetes Heizungssystem einzubauen, weil dessen aufsteigende Wärme für die Fresken schädlich ist.

Dass der Moskauer Metropolit als höchster Würdenträger der orthodoxen Kirche die alte Ordenskirche in Arnau 2012 in Form eines theologisch bedeutsamen Rituals einsegnete, ließ bereits darauf schließen, dass die ROK mit diesem Juwel am Pregel etwas Entscheidendes vorhatte. Alle weiteren Schritte deuteten dann auf die Einrichtung eines orthodoxen Zentrums hin.

 
In der Kirche lagernde Grabsteine wurden achtlos ausgeräumt.

Ende des Jahres 2012 wurde nur 25 Meter vom Kirchturm entfernt auf dem Gelände des alten Friedhofs unter Verletzung der Denkmalschutzzone und ohne Baugenehmigung ein Verwaltungshaus errichtet. Dabei verstreute man die Gebeine der Verstorbenen pietätlos um die Baugrube herum. Dies geschah alles, ohne das Kuratorium zu informieren.

Außerdem wurde das Gelände um die Kirche herum weiträumig planiert. An dem Hang zum Pregel wird man jetzt ein Kloster errichten. Ende Juli 2014 hatte man im östlichen Bereich des alten Friedhofs lastwagenweise Pflastersteine in großer Zahl antransportiert, die von aufgenommenen, alten Königsberger Straßen stammen.

Nördlich der Autobahn wachsen in Arnau Einfamilienhäuser wie Pilze aus dem Boden.
Nördlich der Autobahn wachsen in Arnau Einfamilienhäuser wie Pilze aus dem Boden.

Offensichtlich will man bestimmte Bereiche in der Umgehung der Kirche pflastern. Und schließlich hat die ROK bei den Bewohnern des benachbarten Glöcknerhauses und der alten Schule bereits nachgefragt, ob sie nicht woanders hinziehen wollen. All dies verrät ein von Anfang an feststehendes Konzept, das konsequent mit genauen Zeitvorgaben umgesetzt wird.

 
Der Zustand der mittelalterlichen Wandmalerei im Juli 2014

Trotz aller konzilianten Beteuerungen der ROK konnte das Kuratorium bei diesen Voraussetzungen nur als Störfaktor wirken. Gegen das Konzept der ROK zu steuern, war nicht einfach und letztlich unmöglich. Von russischer Seite aus haben wir allerdings auf politischer Ebene Unterstützung erhalten, von deutscher Seite so gut wie gar nicht. Dabei hätte der „Deutsch-Russische Kulturvertrag" sehr gute Ansatzpunkte geboten.

Das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden - Teil des 1911 freigelegten Freskos - im Zustand von 1943, fotografiert von Rudolf Schulre-Marburg.Die Nachricht von den untergegangenen Wandgemälden hat in Königsberg wie eine Bombe eingeschlagen: Die Presse hat jetzt für die Kirche Hausverbot, der Gouverneur hat sich bereits zu dem Fall gemeldet und der Stuhl der Chefin des Denkmalschutzamtes wackelt. Es ist mit einem erheblichen Pressewirbel bei den Russen zu rechnen und man fragt sich. oh man bei uns diesen schmerzhaften Verlust überhaupt zur Kenntnis nehmen wird. An Bemühungen des Kuratoriums, in Deutschland Interesse an der Rettung Arnaus zu wecken, hat es nicht gefehlt. Aber außer lauen Erklärungen war von offizieller Seite nichts zu hören. Und wenn man ein drittes Mal vorstellig wurde, merkte man schnell, dass man lästig wurde.

Was bleibt an Trost? Der in seiner Art bedeutungsvolle Baukörper der Kirche wird als eindrucksvolles Zeugnis der Ordenskultur in die Zukunft ragen. Besuchern wird er in der kommenden Zeit von der Tätigkeit, dem Denken und dem Gestaltungswillen des Ordens berichten. Insofern übt die Kirche adch in ihrer jetzigen Erscheinungsform eine zukunftsgerichtete Wirkung aus.

Aber auch für die Wandgemälde findet sich ein, wenn auch keineswegs hinreichender Ausgleich. 1943 hat der Fotograf Rudolf Schulze-Marburg den gesamten Heilsspiegel im Rahmen des sogenannten „Führerauftrags Monumentalmalerei" systematisch mit Agfa-Diapositivfilm aufgenommen. Die Aufnahmen befinden sich seit 1956 im Münchener Zentralinstitut für Kunstgeschichte. wo sie auch digital aufgearbeitet wurden. Sie sind mit Hilfe des Internets zugänglich oder können auch über die Homepage des Kuratoriums aufgerufen werden (http://www.Kuratorium-Arnau.net).

Und eine Lehre lässt sich aus den bisherigen Vorgängen ziehen: Kultur teilt sich allen Menschen mit, die sich dafür öffnen. Vielleicht lernen wir daraus, Verständnis füreinander zu gewinnen.

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Quelle / Источник:
Ein Beitrag von Walter T. Rix, erschienen in:
"Unser schönes Samland", Samländischer Heimatbrief der Kreise Fischhausen
 und Landkreis Königsberg / Pr., 203 Folge, 3/2014, Seite
56-61

Слушать файл mp3: Звон колокола кирхи Арнау 23.9.2003 / MP3-Audio-Datei starten: Glockengeläut der Kirche Arnau am 23.9.2003

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weitere Informationen:
Kuratorium Arnau e.V.: www.Kuratorium-Arnau.net;
Pressespiegel:  www.kuratorium-arnau.net/Info/Presse;
St. Katharinenkirche Arnau: www.Kirche-Arnau.de;
Heilsspiegel Arnau: www.Heilsspiegel-Arnau.de;
Chronik zum Kirchort Arnau: www.Arnau-Ostpreussen.de.vu;

 

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Stand: 15. September 2018


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